Genau Dienstag vor einer Woche ehrte der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Philipp Rösler die besten Gründungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) mit den heißgeliebten „Bären“ auf dem Kongress “Junge IKT-Wirtschaft”.
Der im jährlichen Rhythmus stattfindende Kongress ermöglicht es Entrepreneuren ihre Geschäftsidee zu präsentieren, Workshops zu besuchen, die Gründerszene im technologisch ausgeprägten Bereich besser kennenzulernen und mögliche Investoren von ihrem Konzept zu überzeugen.
Philipp Rösler übernahm dieses Jahr die Aufgabe im Rahmen des Gründerwettbewerbs IKT Innovativ die besten Ideen der Branche zu prämieren. Insgesamt wurden 100.000 € an die Preisträger ausgeschüttet, die wir Ihnen nachfolgend näher vorstellen.

Die Gewinner bei IKT Innovativ – ausgezeichnet auf dem Kongress Junge IKT-Wirtschaft
3. Platz IKT Gründung des Jahres: OakLabs und Altruja
Mit der OakLabs GmbH und der Altruja GmbH teilten sich dieses Jahr gleich zwei Gründerteams den dritten Platz auf dem Siegertreppchen des Gründerwettbewerbs IKT Innovativ und erhalten jeweils 10.000 €.
OakLabs bietet Software und Dienstleistungen für die Genanalyse und Pflanzenzucht an. Mithilfe von selbst erstellten Algorithmen und der Nutzung leistungsstarker Grafikprozessoren (GPU) werden große Datenmengen analysiert, um genaue Zusammenhänge zwischen dem Erbgut der Pflanzen und ihren Ausprägungen, wie etwa Geschmack, Ertrag oder Widerstandsfähigkeit zu erstellen. Mit dieser Technologie wird der heute noch äußerst langwierige Züchtungsvorgang von Nutzpflanzen immens verkürzt. Selbiges Verfahren nutzt das junge Unternehmen auch zur Identifikation und Quantifizierung von Mikroorganismen. Mit diesen neuen Innovationen im Bereich der Lebensmittelproduktion und Umweltanalytik würdigte die Jury die besonderen Leistungen von OakLabs in der biotechnologischen Forschung.
Die Altruja GmbH bietet Software für das Online-Fundraising zur Verbesserung von Spendenaktivitäten an. Neben gemeinnützigen Organisationen nutzen auch Hochschulen und Parteien die selbst entwickelten Softwaretools des Münchener Unternehmens. Das Unternehmen übernimmt hierbei nicht nur die Aufgabe der Entwicklung zielgruppenspezifischer Tools, um beim Spendensammeln zu helfen: Altruja übernimmt die komplette Abwicklung des Spendenprozesses und garantiert die Sicherheit sowie die datenschutzrechtlich korrekte Handhabung der Spenderdaten im gesamten Ablauf der Spendenaktion. Die Jury würdigte so die Spendentools von Altruja, die mittlerweile schon über 200 Organisationen aus Europa und Übersee wie der WWF Deutschland oder der Kindernothilfe Österreich nutzen und auf ihren Homepages integriert haben.
2. Platz IKT Gründung des Jahres: Inreal Technologies
Auf Platz zwei des Gründerwettbewerbs IKT Innovativ wählte die Jury dieses Jahr das Entwicklerteam von Inreal Technologies aus Karlsruhe, das sich über 30.000 € freuen darf. Inreal Technologies ermöglicht es dank einer Spezialbrille und ihren Virtual-Reality-Simulatoren 3D-Welten zu begehen, die in Zukunft Realität werden könnten. Nach Aufziehen der Spezialbrille, in welche mehrere Bildschirme integriert sind, lenkt sich der Nutzer mit einem Joystick durch 3D-Welten, die vorher bspw. mit den Plänen des Architekten fotorealistisch modelliert und errechnet wurden. Die Jury würdigte den Einsatz des ersten Produkts „Inreal Terminal“, welches bereits zur Visualisierung von Architektur- und Messebauten genutzt wird, um Planungs- und Entscheidungssicherheit bei Bauprojekten zu geben. Wir haben Inreal Technologies ja auch bereits auf der Venture Lounge in Bonn getroffen, wo Thomas Schander von Inreal Technologies den dritten Platz belegen konnte.
1. Platz IKT Gründung des Jahres: Timing-Architects Embedded Systems
Den ersten Platz des Gründerwettbewerbs IKT Innovativ und damit 50.000 € ergatterte dieses Jahr Timing-Architects Embedded Systems aus Regensburg. Das Unternehmen um die beiden Gründer Dr. Michael Deubzer und Dr. Martin Hobelsberger hat die TA Toolsuite entwickelt, welche ein Optimierungswerkzeug und Simulator für die Entwicklung von Software eingebetteter Systeme darstellt. Der Einsatz der Werkzeuge ermöglicht eine Effizienzsteigerung in der Entwicklung von Steuersystemen mit leistungsfähigen Mehrkernprozessoren. Die Entwicklung von Geräten, die bspw. Verwendung in Autos und Industrieanlagen finden, wird so optimiert und beschleunigt. Besonderer Wert wird hierbei auf die zeitgenaue Auslösung der Mechanismen gelegt. So sollen bspw. Fehler bei der Auslösung von Airbags vermieden und deren Entwicklung bei neuen Autos erheblich beschleunigt werden. Die Jury würdigt mit ihrer Auszeichnung die TA Toolsuite, die bereits von mehreren Unternehmen der Automobilindustrie eingesetzt wird.
Das nachfolgende Video fasst die Highlights des Events Junge IKT-Wirtschaft zusammen:
87 Start-ups präsentierten sich im Messebereich Junge IKT-Wirtschaft
Neben den vier Preisträgern der diesjährigen Messe gab es allerdings auch jede Menge anderer Unternehmen zu bestaunen.
So buhlten insgesamt 87 Unternehmen (inklusive der Preisträger), um das Interesse der Besucher und stellten ihre Konzepte in kurzen Unternehmenspräsentationen vor. Um nur ein paar davon zu nennen, hier ein paar Beispiele:
- Das Unternehmen Tutanota hat eine Webapplikation entwickelt, die alle Daten automatisch verschlüsselt und dem Nutzer gewährleistet auch vertrauliche Daten sicher per E-Mail zu verschicken. Auf dem Gerät des Absenders soll die Nachricht verschlüsselt und erst auf dem Gerät des Empfängers entschlüsselt werden. Das Besondere dabei ist, dass der Empfänger Tutanota nicht nutzen muss, um die verschlüsselte E-Mail zu empfangen.
- Die Macher von Enpatech setzen in der Sparte der heutzutage immer wichtiger werdenden E-Verhandlungen an. Mit ihrem Service ist es möglich, Verhandlungen zu protokollieren, zu strukturieren und zu überprüfen. Sie versprechen mit ihrem Produkt mehr Effizienz und Struktur bei elektronischen Verhandlungsprozessen.
- Die Idee der Gründer hinter Kinematics ist ein modulares Baukastensystem, welches aktive Bewegungsmodule und passive Teile zur Zusammensetzung von Robotern verbindet. Es lassen sich so ganz einfach kleine Roboter in LEGO-Manier bauen. Kinder sollen so spielerisch an die Technik herangeführt werden und ihre Kreativität gefördert werden.
- Das Ziel der Macher von Tagwerk ist es, dem Selbstständigen mehr Zeit für seine eigentliche Arbeit zu lassen. Die Organisation seiner Arbeit wie bspw. das Erledigen der anfallenden Steuererklärung oder die langwierige Überprüfung der notwendigen Buchhaltung soll kein Problem mehr sein. Mit einer einfachen, intuitiv funktionierenden Software soll der Freiberufler einfach die entsprechenden Zahlen eingeben, der Rest wird vom Programm erledigt. Der Freelancer soll mit dieser Entlastung am Ende des Tages auch wissen können, wie viel seine Arbeit eigentlich wert ist und inwieweit sich sein Wirtschaften lohnt.

Zahlreiche Start-ups präsentieren sich auf dem Kongress Junge IKT-Wirtschaft (Quelle und Copyright: BMWi, Fotograf: Wolfgang Borrs)
Workshops im Rahmen von Junge IKT-Wirtschaft
Neben dem Besuch von Philipp Rösler, der Preisverleihung und der Vorstellung neuer Unternehmen und ihrer Geschäftsideen und Konzepte, bot der Kongress seinen Besuchern auch jede Menge Workshops zur Weiterbildung in verschiedenen Bereichen an. Der Workshop zum Thema Crowd investing lieferte Einblick in die Möglichkeiten der Finanzierung eines Unternehmens abseits der klassischen Modelle von Business Angeln & Co.
Moderiert von Volker Hofmann teilten Tamo Zwinge (Companisto), Thomas Herzog (Innovestment) und Dr. Niels Beisinghoff (Bettertaxi) ihre Erfahrungen im noch jungen Feld dieser Art der Finanzierung aus der Sicht der Crowd investing-Plattformen und Start-Ups mit dem interessierten Publikum. Die Möglichkeiten des Crowd investings scheinen hierbei noch lange nicht ausgeschöpft und versprechen neben dem Aufbau einer so vielfältigen Crowd auch die Möglichkeit einer wesentlich schnelleren und unkomplizierten Finanzierung für Start-ups. Weitere Vorträge beschäftigten sich mit den Themen “Kooperation zwischen Groß und Klein” und “Fachkräfte für Unternehmen”.
Insgesamt war der Kongress Junge IKT-Wirtschaft eine sehr gut organisierte und gelungene Veranstaltung mit jeder Menge Ausstellern voll mit interessanten, frischen Ideen und hochrangigen Gästen. Die Preisträger des Wettbewerbs IKT Innovativ überzeugen mit interessanten Geschäftsideen und ersten Markterfolgen. Wir freuen uns auf das nächste Jahr!
Weitere Informationen zum Wettbewerb IKT Innovativ finden sie auf Für-Gründer.de.